CO₂-Kosten zwischen Vermieter und Mieter aufteilen: Stufenmodell erklärt
Seit 2023 werden CO₂-Kosten bei vielen mit fossilen Brennstoffen beheizten Mietwohnungen zwischen Vermieter und Mieter aufgeteilt. Bei Wohngebäuden entscheidet der jährliche CO₂-Ausstoß pro Quadratmeter über den Vermieteranteil. Je schlechter die Emissionsbilanz, desto höher ist grundsätzlich der Anteil des Vermieters.
Wann das CO₂-Kostenaufteilungsgesetz gilt
Das Gesetz erfasst insbesondere Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas sowie Wärmelieferungen, bei denen entsprechende CO₂-Kosten enthalten sind. Die Brennstoff- oder Wärmerechnung muss die benötigten Emissions- und Kostenangaben liefern. Nicht jede Heizungsart verursacht abrechenbare CO₂-Kosten; maßgeblich ist die konkrete Versorgung.
Zehn Stufen für Wohngebäude
Der Vermieter ermittelt den CO₂-Ausstoß des Gebäudes in Kilogramm pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Dieser Wert wird einer von zehn Stufen zugeordnet.
| kg CO₂/m²/Jahr | Mieter | Vermieter |
|---|---|---|
| unter 12 | 100 % | 0 % |
| 12 bis unter 17 | 90 % | 10 % |
| 17 bis unter 22 | 80 % | 20 % |
| 22 bis unter 27 | 70 % | 30 % |
| 27 bis unter 32 | 60 % | 40 % |
| 32 bis unter 37 | 50 % | 50 % |
| 37 bis unter 42 | 40 % | 60 % |
| 42 bis unter 47 | 30 % | 70 % |
| 47 bis unter 52 | 20 % | 80 % |
| ab 52 | 5 % | 95 % |
Nichtwohngebäude: grundsätzlich 50/50
Für Mietverhältnisse in einem Nichtwohngebäude gilt das Zehnstufenmodell nicht. Nach § 8 CO₂KostAufG tragen Vermieter und Mieter die CO₂-Kosten grundsätzlich jeweils zur Hälfte. Eine Vereinbarung, nach der der Mieter mehr als 50 Prozent übernimmt, ist unwirksam.
Als Nichtwohngebäude gilt ein Gebäude, das nach seiner Zweckbestimmung nicht überwiegend dem Wohnen dient. Die 50/50-Regel erfasst ausdrücklich auch Wohnraummietverträge in einem solchen Gebäude. Bei einer Wohnung über einem Ladenlokal ist daher zuerst zu prüfen, welchem Zweck das gesamte Gebäude überwiegend dient.
Berechnung in vier Schritten
- CO₂-Menge und CO₂-Kosten aus Brennstoff- oder Wärmerechnungen ermitteln.
- Gesamtausstoß durch die maßgebliche Wohnfläche und den Jahresanteil teilen.
- Gebäude in die gesetzliche Tabelle einordnen.
- Vermieteranteil abziehen und den verbleibenden Mieteranteil nach HeizkostenV verteilen.
Pflichtangaben in der Heizkostenabrechnung
Die Abrechnung muss den Mieteranteil an den CO₂-Kosten, die Einstufung des Gebäudes oder der Wohnung und die Berechnungsgrundlagen ausweisen. Fehlen diese Angaben oder wird der Anteil nicht bestimmt, kann der Mieter seinen Heizkostenanteil nach dem Gesetz um drei Prozent kürzen.
Mieter mit eigener Gastherme
Versorgt sich der Mieter selbst mit Wärme, zahlt er die Rechnung zunächst direkt. Er kann den gesetzlich auf den Vermieter entfallenden Anteil verlangen. Dieser Erstattungsanspruch muss innerhalb von zwölf Monaten nach der Abrechnung des Lieferanten in Textform geltend gemacht werden. Maßgeblich sind der CO₂-Ausstoß und die Wohnfläche der selbstversorgten Wohnung (§ 5 Abs. 3). Vermieter sollten dafür einen nachvollziehbaren Prozess und die benötigten Rechnungsangaben vorsehen.
Bei vereinbarten Betriebskostenvorauszahlungen kannst du den geltend gemachten Erstattungsbetrag mit der nächsten auf die Anzeige folgenden Jahresabrechnung verrechnen. Findet keine Verrechnung statt oder gibt es keine Betriebskostenabrechnung, ist die Erstattung spätestens zwölf Monate nach der Anzeige fällig. Nutzt der Mieter den Brennstoff auch für eigene Geräte zu anderen Zwecken, etwa zum Kochen, vermindert sich der Erstattungsanspruch nach § 6 Abs. 3 um fünf Prozent. Bei zusätzlicher gewerblicher Nutzung ist der maßgebliche Verbrauch gesondert zu messen und nachzuweisen.
Ausnahmen und Begrenzungen
Kann der Vermieter die energetische Verbesserung oder Wärmeversorgung aufgrund öffentlich-rechtlicher Vorgaben nicht oder nur eingeschränkt beeinflussen, kann sein Anteil unter gesetzlichen Voraussetzungen reduziert werden. Wer sich darauf beruft, muss die Umstände nachweisen. Solche Sonderfälle gehören in eine individuelle Prüfung.
Neue Regeln für bestimmte nach dem 29. Juli 2026 eingebaute Heizungen
Das Gebäudemodernisierungsgesetz vom 23. Juli 2026 hat das CO₂KostAufG erweitert. Für bestimmte mit Gas, Heizöl oder Flüssiggas beschickte Heizungsanlagen, die nach dem 29. Juli 2026 in bestehende Gebäude neu eingebaut werden, gelten zusätzliche Vorgaben (§ 43 GModG). Betroffen sind nicht pauschal alle bestehenden Heizungen.
Die neue Regelung bezieht neben den CO₂-Kosten künftig weitere Bestandteile ein: Netzentgelte für die Gasversorgung bei Abrechnungszeiträumen ab 1. Januar 2028 und Kosten gesetzlich verpflichtender Brennstoffanteile bei Abrechnungszeiträumen ab 1. Januar 2029. Für betroffene Wohnraummietverhältnisse sieht § 5a Abs. 3 grundsätzlich eine hälftige Aufteilung der Netzentgelte und CO₂-Kosten ab 2028 sowie der verpflichtenden Brennstoffkosten ab 2029 vor, bei Letzteren begrenzt auf einen Brennstoffanteil von 30 Prozent. Übergangs- und Härtefallregeln sind gesondert zu prüfen.
Vermieter einer betroffenen neuen Anlage sollten deshalb nicht allein das bisherige Stufenmodell anwenden, sondern vor der Abrechnung die dann geltende Fassung des CO₂KostAufG und die Übergangsregeln prüfen.
Hinweis in Textform: Im Fall der Selbstversorgung nach § 6 Abs. 2 musst du den Mieter bei Vertragsschluss und beim Einbau einer Anlage, die § 43 Gebäudemodernisierungsgesetz unterfällt, über die dort genannte Pflicht und seinen Erstattungsanspruch informieren. Prüfe den konkreten Anwendungsfall; eine allgemeine Erwähnung der CO₂-Aufteilung in diesem Ratgeber ersetzt den individuellen Hinweis nicht.
CO₂-Kosten in Vermietly: Rechnest du eine zentrale Erdgasheizung in einem reinen Wohngebäude für ein volles Kalenderjahr selbst ab, ermittelt der Heizkosten-Assistent aus den geprüften CO₂-Emissionen und der Wohnfläche den Vermieteranteil nach dem Stufenmodell. Kostenbasis, Zeitraum und Messwerte prüfst du vor der Übernahme. Entwurf und Vorschau sind kostenlos, die Übernahme in die Abrechnung gehört zu Pro+, ebenfalls ein Einmalkauf ohne Abo. Rechnet ein Messdienst oder eine Hausverwaltung ab, prüfe ausdrücklich, ob dein CO₂-Vermieteranteil bereits abgezogen und ausgewiesen ist. Übernimm nur den verbleibenden Mieterbetrag; bei WEG-Abrechnungen darfst du den Abzug nicht voraussetzen. Füge die persönliche Einzelabrechnung für den jeweiligen Mieter und Zeitraum bei; sie dokumentiert den CO₂-Abzug und den Rechenweg hinter dem übernommenen Betrag. Erstattungsansprüche selbstversorgender Mieter werden in Vermietly nicht automatisch berechnet oder abgewickelt. Kostenlos: 1 Objekt-Jahr mit bis zu 2 Wohneinheiten inklusive aller Mieter-PDFs, ohne Account. Für weitere Objekte, Folgejahre und größere Häuser gibt es Pro als Einmalkauf ohne Abo.
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Für Wohngebäude bestimmt in der Regel das Zehnstufenmodell den Vermieteranteil; in überwiegend nicht zu Wohnzwecken bestimmten Gebäuden gilt grundsätzlich die hälftige Aufteilung. Prüfe deshalb zuerst die Gebäudeart und anschließend die passende Berechnung – einschließlich der neuen Sonderregeln für bestimmte nach dem 29. Juli 2026 eingebaute Heizungsanlagen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Vermieteranteil an den CO₂-Kosten?
Bei Wohngebäuden liegt er nach dem gesetzlichen Stufenmodell grundsätzlich zwischen 0 und 95 Prozent. Entscheidend ist der CO₂-Ausstoß in Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr.
Welche Angaben müssen in die Heizkostenabrechnung?
Auszuweisen sind insbesondere der Mieteranteil an den CO₂-Kosten, die Einstufung des Gebäudes oder der Wohnung und die Berechnungsgrundlagen.
Was passiert, wenn die CO₂-Aufteilung fehlt?
Bestimmt der Vermieter den Mieteranteil nicht oder fehlen die vorgeschriebenen Informationen, sieht das Gesetz ein Kürzungsrecht von drei Prozent des auf den Mieter entfallenden Heizkostenanteils vor.
Wie werden CO₂-Kosten in einem Nichtwohngebäude aufgeteilt?
Vermieter und Mieter tragen die CO₂-Kosten grundsätzlich jeweils zur Hälfte. Das gilt auch für vermieteten Wohnraum, wenn das Gebäude nach seiner Zweckbestimmung nicht überwiegend dem Wohnen dient. Eine Vereinbarung zulasten des Mieters über 50 Prozent ist unwirksam; gesetzliche Ausnahmen sind gesondert zu prüfen.
- CO₂-Kostenaufteilungsgesetz
- Anlage zum CO₂KostAufG – Zehnstufenmodell
- § 5a CO₂KostAufG – Neue Anlagen in Bestandsgebäuden
- § 43 GModG – Einbau neuer Brennstoffheizungen
- § 6 CO₂KostAufG – Selbstversorgung, Erstattung und Hinweis
- § 8 CO₂KostAufG – Nichtwohngebäude
- Gebäudemodernisierungsgesetz vom 23. Juli 2026
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